News

Besucher richtig ansprechen

Die knappe Messezeit optimal nutzen

Besucheransprache: Neue und bessere Kontakte

Egal ob im Handy-Shop, bei den allseits beliebten Akquisitionsanrufen („Wer ist bei Ihnen für den Einkauf zuständig?“) oder am Messestand: Immer wieder treffen wir auf Verkäufer, die ihr Produkt anpreisen, aber nicht auf die Fragen ihrer potenziellen Käufer eingehen. Meist kommt ein Geschäft dann nicht zustande, weil Angebot und Nachfrage so nicht zusammen finden. Schlimmer noch: Der Kunde fühlt sich nicht ernst genommen und dürfte auf diese Weise kaum zu gewinnen sein.

Spreu und Weizen

Auf Messen kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Die Veranstaltungsdauer ist auf wenige Tage begrenzt. Da geht es darum, so viele Kontakte wie möglich zu knüpfen – aber bitte mit den wirklich interessanten Kunden. Das ist besonders bei Investitionsgütermessen wichtig, dienen doch viele Gespräche der Geschäftsanbahnung. Der eigentliche Kauf wird nach der Messe abgeschlossen. Hinterher heißt es, den Dialog fortzuführen und/oder ein Angebot zu unterbreiten. Daher wäre es wichtig, etwas über den potenziellen Käufer und seinen Bedarf zu erfahren. So etwas klappt aber nur dann, wenn das Gespräch schriftlich aufgezeichnet wurde. Am einfachsten ist es, die Visitenkarte des Interessenten an den Gesprächsbogen anzuheften.

Das klingt einleuchtend, ist aber nicht immer der Fall: Gerade bei technisch anspruchsvollen Exponaten stehen oft Ingenieure am Stand. Sie lieben ihre Produkte und können sich dafür begeistern. Allerdings geht diese Begeisterung manchmal soweit, dass der Messebesucher mit fast allen erdenklichen Produkteigenschaften konfrontiert wird. Dabei vergeht wertvolle Zeit und eigentlich sucht der Gegenüber nach ganz anderen Lösungen. Aber davon erfährt nur Derjenige, der auch danach fragt. Unterbleibt dieses Nachbohren, endet der Dialog oftmals wie das Hornberger Schießen. Die Gesprächspartner gehen auseinander und Anknüpfungspunkte für ein Nachmessegeschäft gibt es kaum – der Ingenieur weiß ja nichts über den Einkäufer. Andere, wichtigere Kunden sind dem Aussteller möglicherweise inzwischen entgangen, weil die nicht ewig auf einen freien Ansprechpartner warten wollten.

Details kommen später

Einzelne Aussteller der Hannover Messe erkannten vor einigen Jahren das Problem.

Sie stellten fest, dass die Ingenieure am Stand das Messepotenzial nicht genügend ausschöpften. Um mehr aus ihrer Beteiligung zu machen, nahmen sie deshalb an einer „Einstimmung“ durch das „Messe Institut“ teil. Es wurde den Mitarbeitern am Tag vor Veranstaltungsbeginn vermittelt, dass es vor Intensivierung eines Kontaktes darum geht, die Bedürfnisse abzuklopfen – und  festzustellen, ob es sich beim Standbesucher tatsächlich um einen Entscheider handelt. Detailfragen lassen sich später nach der Messe in aller Ruhe klären.

Getreu dem Motto „einem Ingenieur ist nichts zu schwör“, setzten die technischen Experten ihre frisch gewonnenen Erkenntnisse am Stand um. Und siehe da, es wurden viel mehr (kürzere) und bessere Kontakte geknüpft als zuvor. Im Nachmessegeschäft sind diese Kontakte ausführlich intensiviert worden. Unter dem Strich hat die Messebeteiligung in Hannover dem Aussteller viel mehr Abschlüsse gebracht als seine vorangegangen Auftritte – weil die Mitarbeiter am Stand auf die bevorstehende Situation richtig eingestimmt wurden.15 Der Begriff Einstimmung ist vom Messe Institut seinerzeit übrigens bewusst gewählt worden. Denn handelt es sich beim Messeteam um erfahrene Verkäufer, würde die Teilnahme an einem „Messe-Verkaufstraining“ einem Attentat gleich kommen. Für diese Gruppe wäre das gleichbedeutend mit einer negativen Beurteilung ihrer bisherigen verkäuferischen Leistungen.

 Heimvorteil nutzen

Manchmal ist eine Messe auch ein Heimspiel, wenn der Firmensitz nicht weit vom Veranstaltungsgeschehen entfernt liegt. Das ermöglicht die Kontaktverfolgung schon während der Messe. Erfahrene Aussteller richten einen Shuttle-Service ein, um Besucher in die eigene Betriebsstätte zu fahren. Dort können sie dann ihre gesamte Leistungspalette vorführen, was zusätzliches Interesse wecken dürfte. Zudem lässt sich das Unternehmen mit Produktionsprozessen „livehaftig“ präsentieren. Das schafft Vertrauen und ist ein Alleinstellungsmerkmal!

 

KOMPAKT

  • Ein guter (Messe)Verkäufer hört zu statt pausenlos zu reden
  • Bedürfnisse der Einkäufer sind in möglichst kurzen Gesprächen zu erfragen und aufzuzeichnen
  • Bei Investitionsgütermessen zählt das Nachmessegeschäft

 

Über den Autor

Peter Borstel

Peter Borstel arbeitet seit 1991 im Messegeschäft, organisierte Messen im In- und Ausland. Er betätigte sich als Aussteller und Berater im Messebau. Seit 1. Januar 2004 ist er Chefredakteur des Messemagazins Trade Fairs International.

37 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar