Besucheransprache: Verhalten am Messestand

Auf der Messe gelten die gleichen Regeln wie anderswo. Der obercoole Barkeeper, der mit seiner Kollegin schäkert, aber nicht die Gäste bedient, trägt nicht gerade zum Umsatz bei. Und gelangweiltes Personal in einem Geschäft animiert nicht zum Kauf. In diesen Fällen bekommen die Kunden das Gefühl, unerwünscht zu sein.

Das bedeutet, dass Dinge wie Zeitung lesen, intensives Smartphone-Surfen, PC-Spiele oder ausgiebiges Essen am Messestand tabu sind. Gleiches gilt für langes Gähnen oder „sich im Stuhl hängen lassen“ – selbst wenn die Gänge noch so schwach gefüllt erscheinen. Solche Handlungen signalisieren „Bitte nicht stören“ und Desinteresse. Dies wird zudem als arrogant oder unsympathisch empfunden, kaum einer möchte mit solchen Personen ernsthaft Geschäfte machen. Und ein grimmiger Blick auf einem leeren Messestand bedeutet eine doppelt negative Botschaft. Erstens: „Sprich mich bloß nicht an, sonst kannst Du was erleben!“  Zweitens: „Hier läuft es gerade ganz schlecht.“ Noch negativer wirkt es, wenn das schmutzige Essensgeschirr, die zerfledderte Zeitung oder sonstiger Müll am Stand nicht weggeräumt werden. Nichts wirkt abstoßender als ein unaufgeräumter Messestand. Hilfreich ist die beschriebene Lagerfläche – etwa eine kleine Kabine, die sich ohne visuelle Abstriche in einen Reihen- oder Eckstand integrieren lässt. Hier können Kisten mit Prospektmaterialien oder Getränke „unsichtbar“ verstaut werden.

Auch sonst lassen sich ein paar Dinge anders regeln: Eine Zeitung kann morgens beim Frühstück im Hotel überflogen werden. Und zum Essen bietet sich in der Messehalle ein Kiosk, Schnellrestaurant oder Snackpoint an. Eine Herausforderung ist es, dabei die eigene Kleidung im Auge zu behalten. Der Currywurstfleck auf der 30 Euro teuren Krawatte lässt sich kaum noch entfernen. Darüber hinaus sollte möglichst „geschmacksneutrales“ Essen ausgewählt werden. Wer hinterher aus dem Mund nach Knoblauch riecht, wird vom Gesprächspartner als unangenehm empfunden. Manch ein Gegenüber möchte dann schnell Reißaus nehmen. Frischer Atem fördert die Geschäfte. Ein Kaugummi hilft, aber vor Beginn eines Gespräches heißt es: unauffällig entsorgen!

Kleine Aussteller müssen kein (üppiges) Catering anbieten. Wenn doch eine Verpflegung geplant wird, sollte es kein allzu schmieriges Fingerfood sein. Abgesehen von hygienischen Dingen, wäre es nicht gut, wenn Druckunterlagen oder Laptops mit einem Fettfilm verschmiert sind. Auch: Verpackte Kleinigkeiten sind sauberer und anders als die Erdnussschale keine Bakterienbrutstätte. Servietten oder Erfrischungstücher sind ebenfalls bereitzuhalten. Wird Bier getrunken, sollte das eher am späten Nachmittag geschehen und aus Gläsern – nicht aus Flaschen oder gar Dosen. Das macht imagemäßig eine Menge aus, es verdeutlicht den wahrgenommenen Unterschied zwischen Genuss und Sauferei.

Etwas Disziplin und Konzentration auf das Messegeschehen sind also erforderlich. Anstatt sich gehen zu lassen, muss das Messepersonal stets aufmerksam gegenüber dem Kunden wirken. Nur so fühlt der Besucher, dass er beim Aussteller willkommen zu sein scheint. Alles ist wie immer eine Frage der Dosierung. Der kurze Blick ins Internet verschafft eventuell sogar Vorteile. Wenn jemand die Halbzeitstände der Bundesliga kennt, kann das ein Kundengespräch sogar beflügeln – natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der vermeintliche Lieblingsverein des Anderen nicht allzu sehr gerupft wird. Etwas Vorsicht scheint angebracht, wenn die Visitenkarte eine Stadt zeigt, deren Verein zurückliegt. Auch der Austausch unter den Standkollegen ist nicht schädlich. Im Gegenteil: Dem Messebesucher wird das Gefühl vermittelt, dass am Stand was passiert. Das gilt auch für das Agieren am Laptop, so etwas sieht nach Business aus. Aber: Im Unterschied zum beschriebenen coolen Barkeeper hat der Ausstellermitarbeiter jedoch stets gesprächsbereit zu sein – falls ein Messebesucher nur ansatzweise in die Nähe kommt. Schlecht wäre es, wenn der interessierte Einkäufer den Dialog der Ausstellermitarbeiter „gewaltsam“ unterbrechen muss. Das tun nur die wenigsten. Und nicht jeder ist so schlagfertig wie Loriot beim Restaurantbesuch: „Herr Ober, darf ich Ihnen etwas bringen?“

Wichtig ist die Harmonie des Standteams!

Diese nicht ganz ernstgemeinte Form von Teamgeist haben die taiwanesischen Messedesign-Unternehmen Olily und Oya entwickelt. Die Skizzen wurden in ein Give-Away – einen Bambus-Fächer – für die Messe Exco 2012 in Taipeh integriert.

Ergo: Mitarbeiter dürfen sich nicht als Fußabtreter fühlen. Aus diesem Grund sind etwaige Zwistigkeiten auf den Abend oder auf die Zeit nach dem Abschluss der Messe zu verschieben. Gute Stimmung untereinander sorgt für mehr Motivation und bessere Ergebnisse. Miese Stimmung oder Hektik innerhalb einer Mannschaft schrecken potenzielle Kunden ab.

 

KOMPAKT

  • Aussteller dürfen dem Besucher kein Desinteresse signalisieren
  • Der Kunde muss das Gefühl haben, willkommen zu sein
  • Ein Messestand sollte stets aufgeräumt wirken
  • Gelebter Teamgeist ist wichtig